Dienstag, 18. Mai 2010

Fürcht ich mich?


Fürcht ich mich??

Noch nie in meinem Leben hatte diese Frage ein so klares "Nein" und gleichzeitig ein ebensolches...gleiche Intensität.."Ja".

Da sind soviele Optionen...die einen hochgreifend, die anderen schwermütig...eine jede tiefgeifend...

..denn es geht um meinen Sohn.

Meine älteren Kinder hatten und haben das gleich Recht, dass ihre Mutter sich diese Gedanken macht....und doch war und ist es nicht das Gleiche. Weil meine Großen sich in diese Gesellschaft integrieren werden können...bei Jonathan wird sich die Gesellschaft auf ihn einlassen müssen...um ihm gerecht zu werden.

Wird sie das tun?

Wird mein Sohn trauriger werden, ja älter er wird? Wird ihm der Zugang verwehrt werden, wird sein Potential einfach nicht erkannt werden? Wird er sich nicht "einfügen" können?

..wie schlimm ist das eigentlich!!!??

An uns als Eltern ist es, unseren Kindern eben diese Stärke mitzugeben...sich nicht zu kränken, wenn man nicht dem "Bild" entspricht. Zu wissen, dass man ein wundervoller, liebenswerter Mensch ist, jemand, der eine ganz besondere Aufgabe in seinem Leben hat. JEDER von uns.

Ihr Lieben!
Hochgreifende und ein bisschen schwermütige Grüße!!

Jonathan und Barbara

Kommentare:

Gabriela hat gesagt…

Liebe Barbara
kann es auch zum Schicksal werden, dieses Unverständnis zu tragen, auszuhalten, zu verwandeln und dadurch zu erlösen?
Wir müssen es nicht wissen, wir dürfen vertrauen.
Soll ich das jetzt wieder löschen oder absenden?
Ich (ver)traue heute meinen Worten nicht so ganz. ;-)
Gabriela

jonathan und seine familie hat gesagt…

Liebe Gabriela!!

Je länger ich auf dieser Welt bin, je mehr ich erfahre und erlebe...umso mehr spüre ich, dass ich vertrauen darf.

Als Jonathan so krank war, spürte ich diesen Schutz, dieses Umsorgtsein...im Guten, wie im Schlechten...besonders intensiv. ich war mir der Unvergänglichkeit seiner Seele so bewußt...
Nie werd ich das vergessen...

Ich vertraue...und lerne stetig dazu..

Barbara

dicke, alte Frau hat gesagt…

Liebe Barbara, Du sagst, es sei bei Deinen älteren Kindern anders, weil sie sich in die Gesellschaft integrieren können. Ich sehe das als "Außenstehende" etwas anders. Denn es kann jedem Menschen passieren, daß er sich , warum auch immer, nicht in die Gesellschaft integrieren kann.
Schau auf Alkoholkranke, Drogenkranke, Langzeitarbeitslose..... Meine jüngste Nichte, die beste Leo von allen, hat im letzten Jahr ihr Abitur gemacht, gerade so geschafft. Egal. Da Du bei mir liest, weißt Du vielleicht, daß es das Kind ist, welches immer sagte:"Mir doch egal."
Sie hat es bis heute nicht geschafft, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Sie schreibt zwar Bewerbungen, aber nur weil mein Bruder sonst den Unterhalt streicht, was legal ist. Diese Bewerbungen haben alle ein und denselben Text, ohne Abweichung. Sie kleidet sich schrecklich, auch wenn sie zu einem Vorstellungsgespräch geht, informiert sich vorher nicht über den Betrieb, die Arbeitsplatzbeschreibung etc..
Sie ist eine wirklich begnadete Malerin. Als ich gefragt habe, warum sie sich nicht an der Düsseldorfer Kunsthochschule bewirbt war die Antwort:"Ne, da muß ich eine ganze Bewerbungsmappe abgeben."
Glaubst Du ernsthaft, sie hat sich in unsere Gesellschaft integriert? Mein Bruder und auch ich, sogar ihre Schwester befürchten, daß sie die erste Hartz IV-Empfängerin in unserem gesamten Umfeld sein wird. Also, da habe ich aber von Menschen mit Down-Syndrom gelesen und gesehen, die ihren Weg klarer und besser gestaltet haben. Bei Eurem Engagement sollte Jonathan das sicher auch schaffen. So, und jetzt wieder Kopf hoch!
Ganz liebe Grüße und eine herzliche Umarmung, die Christiane

Zwieback hat gesagt…

Liebe Barbara,

ich kann sicherlich nicht nachempfinden, wie es ist, sich diese Gedanken täglich zu machen und wie es ist, mit einem Kind mit dem Extrachromosom zu leben. Als ich mit Alina schwanger war, habe ich "ja" zu diesem Kind gesagt und doch habe ich mir gleichzeitig viele, viele Gedanken gemacht. Der Umfang dieser Gedanken würde diesen Kommentar sprengen.

In dieser Zeit bin ich auf das gestossen:

http://www.rosemarie-wagner.eu/lukas/leidenamdownsyndrom.php

Du kennst es vielleicht, und es ist bestimmt nur eine Seite des Lebens, aber mir haben die Worte Mut gemacht. Nicht unbedingt für mich, sondern für das Leben, das auf mein Kind zukommen sollte.

Wie der Zufall manchmal spielt, hatte ich letzte Woche eine Begegnung mit einem Erwachsenen, mit Down Syndrom. Ich stand in einem Geschäft und unterhielt mich mit der Verkäuferin, als der Mann herein kam und mich ansprach. Wir haben uns bestimmt eine halbe Stunde lang unterhalten und ich hätte gern noch länger mit ihm gesprochen, wenn ich nicht meinen Sohn hätte abholen müssen. Eines kann ich Dir versichern, der Mann war alles andere als traurig. Er hat mir so viel erzählt und das mit einer Lebensfreude und Begeisterung, von der ich gern ein Stück abhaben würde.

Liebe Grüsse, Manuela

jonathan und seine familie hat gesagt…

Ach, Manuela!!

Du hast mich an einen wunderschönen Beitrag erinnert!!! Ich habe diesen Artikel in der allerersten Zeit mit Jonathan gelesen...und damals wie heute lässt er mich lachen und weinen zugleich...

Danke dafür...das kommt gerade besonders gut :-))

Barbara