Mittwoch, 16. November 2011

Am Schlimmsten

Am Schlimmsten ist, wenn ich Jonathan nicht verstehe.

Wenn ich nicht weiss, was er meint.. was er möchte.

Wenn seine Bedürfnisse sich auf wenige, sich wiederholende Aktivitäten beschränken, wenn immer wieder das selbe eingefordert wird, und ich mich frage, ob er einfach nicht mehr möchte oder ob ich nicht VERSTEHE, was er mag.

Wenn ich mit meinen Versuchen, ihm andere Dinge näher zu bringen, erfolglos bleibe.

Wenn er nachts halbstündlich im Bett sitzt und...ich weiss gar nicht, wie ich es beschreiben soll......
Er macht ein Geräusch, tief aus seinem Kehlkopf kommend.
Nicht schmerzvoll, nicht ängstlich, nicht........ICH WEISS NICHT, WAS ES IST!


Wenn ich ihn in den KG bringe und so glasklar "Der Unterschied!" vor mir steht.
Einem Vergleich standhalten.
Himmel, was war mir das immer egal, ob meine Kinder einer Skala entsprechen!!
Und jetzt?
Warum wein ich, wenn ich "nach-denke"?
Warum kann es nicht einfach sein?







Weil ich beschenkt wurde.
Weil Jonathan mir BWUSST-SEIN macht.
Weil dieser wunderschöne, so liebreizende, "anders-artige" Junge mein Herz ganz und gar erfüllt und mich auf eine so tiefe und besondere Art glücklich macht.


Wahre Freude und auch wahre Traurigkeit
Schweres Herz.

Sorgt euch nicht.
Ich bleibe neugierig auf unser Leben. :-)

Kommentare:

Hans hat gesagt…

... und wenn es ihm einfach nur Spaß macht?!! So wie wir als Kind auch alle möglichen Geräusche gemacht haben. Könntest du ihn in dem Moment nicht ansprechen? Und vielleicht kann er das, was er da fühlt, mal malen?
Lieben Gruß

FK hat gesagt…

Ja, so ist es! "Schmerzhafte Selbsterkenntnis" die in ihrer Gegensätzlichkeit so unendlich gut tut und befreiend wirkt.
Du hast das wirklich wunderschön und voller Emotionen beschrieben.

Statt "schweres Herz" würde "strahlendes und glückliches Herz" besser zu Dir passen.

Einen angenehmen Abend wünscht Dir Fredi

D hat gesagt…

Ein schöner Text, den ich so gut nachempfinden kann...

Viel Kraft und viel Freude wünsche ich euch!

Dina

Sommersprosse hat gesagt…

Liebe Barbara
ich kann mir gut vorstelle, dass manchmal die Traurigkeit und Verzweiflung über das "Anderssein" Deines Jonathan die Oberhand gewinnt. Ich denke das ist auch normal und erlaubt. Und ich würde es auch keinem der ein besonderes Kind hat glauben, dass es ihm noch nie so gegangen wäre.
Du bist unglücklich, weil Du ihn nicht verstehst, weil manche Menschen ihn oder Euch nicht verstehen. Er wird immer auf Eure Hilfe angewiesen sein und auch das belastet manchmal.
Aber Ihr liebt ihn wie er ist und er ist doch glücklich, das alleine zählt letztendlich.
Ich wünsche Dir, dass Du ganz schnell Dein Lachen wiederfindest!

Liebe Grüße

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Mir fallen keine Worte ein, Barbara. Es muss Dir weh tun, ich kann es verstehen. Es wird anders, besser werden, ganz bestimmt. Gib die Hoffnung nicht auf, und bitte, zweifle nicht an Dir. Du bist das Allerbeste für Deinen Jüngsten.
Ich umarm Dich ganz fest
Elisabeth

dicke, alte Frau hat gesagt…

Weißt Du, liebe Barbara, Julian hat einen sehr großen und außergewöhnlichen Wortschatz. Aber das geht auf Kosten der Verständlichkeit.
Auch ich, Mama oder Papa verstehen ihn nicht immer. Manchmal dauert es wirklich lange.
Mir tut das immer so leid, weil ich denke, daß er so gar keine "Belohnung" in Form von verstehen bekommt. Trotzdem gibt er nie auf.
Ich denke, daß wir alle auf irgendeine Weise unsere Kinder immer verstehen, denn das Herz spricht und hört mit.
Warte ab, bald bubbelt er Dir einen Knopf an die Backe. ;-)
Ganz herzliche Grüße, die Christiane

Anonym hat gesagt…

Ich kann sehr gut nachvollziehen wie es euch geht, auch mir ist es oft so ergangen, mein Sohn ist etwas älter als Jonathan, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass vieles kommt, dann wenn der Zeitpunkt für Jonathan reif ist, ganz bestimmt.....
Auch wenn es oft schwer fällt geduldig zu sein.....
dazu:
Ein erfahrener Mönch wurde gefragt: „Viel beschäftigt bist Du, doch jederzeit gesammelt. Was ist dein Geheimnis?“ Dieser antwortete: „Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich spreche, dann spreche ich.“ Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten: „Das gleiche tun auch wir. Wie kommt es, dass du glücklich bist in all dem, wir aber nicht?“ Er antwortete: „Vielleicht ist dies der Grund: Wenn ihr steht, dann geht ihr schon. Wenn ihr geht, dann lauft ihr schon. Wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“ (Aus einer Zen-Überlieferung)

Niklas hat gesagt…

Liebe Barbara,
es macht mich traurig, dass ich das lesen :( und dennoch weiß ich ganz genau, wie sich das anfühlt.....
Jonathan ist so tüchtig und er lernt immer wieder neues dazu. Ich bin mir sicher, dass er auch später seine Gefühle besser ausdrücken kann. Das ist nicht so einfach. Manche gesunde Erwachsene schaffen das nicht ;)
Mögicherweise weiß er selbst nicht genau, was er haben möchte. Ist nur mit der Situation im Moment nicht glücklich. Oder es auch nur ein Zeitvertreib, wenn er nicht schlafen kann.....
Mir ist auch immer ganz schwer ums Herz, wennn Niklas suddert oder unausgeglichen ist, und ich nicht weiß, was er will/hat. Und es ist anstrengend!
Du hast ein so gutes Gespühr, ich bin mir sicher, ihr kommt ganz, ganz gut zusammen!
Und trotz traurigem Text, spühr ich da schon wieder die Wärme von Sonnenstrahlen drinnen :)
schönes Wochenende!
Tanja

Conny hat gesagt…

Du hast die Gabe so wunderschöne, richtige Worte zu finden! Ich kann es fühlen wenn ich es lese!
Ganz liebe Grüsse
Conny