Samstag, 23. Oktober 2010

Vergangenheit

Zu meiner lange vermissten Freundin gibt es eine Geschichte.
Sie ist die Schwester von Sarahs Vater, meine Schwägerin, ohne Trauschein allerdings.

Der Vater meiner Tochter hieß Josef R.und er hat sich vor ein paar Jahren das Leben genommen.
Er hatte keine leichte Kinderheit und war dementsprechend nicht in der Lage, mit Konflikten umzugehen.
Darum hab ich mich, als meine Tochter 1 Jahr alt war, von ihm getrennt.
Ohne jeglichen Kontakt.
Er hatte aus seinen Fehlern nicht gelernt, doch war er sich ihrer durchaus bewußt!
Als seine damalige Freundin, Jahre später,  Anzeige gegen ihn erstattet hatte, nahm er sich das Leben. Die Arme hat sich noch beim Begräbnis Vorwürfe gefallen lassen müssen!

Sarah hat zwar Jahre später erfahren, dass ihr Vater nicht mehr lebt, doch die Umstände konnte ich ihr einfach nicht sagen.
Ich hab gelogen und gesagt, er wäre krank gewesen.
Durch den wieder auflebenden Kontakt ist es nun herausgekommen. Sarah hat sich intensiv bei ihrer Cousine erkundigt. Danke, dass Du mir Bescheid gegeben hast und ICH es ihr erklären durfte, liebe Betina!
Ich war mir dieser "Gefahr" bewußt, und ich hab sie in Kauf genommen. Irgendwann mußte sie die Wahrheit erfahren, sie ist eine erwachsene junge Frau geworden.
Irgendwo hat sie immer gespürt, dass es da ein Geheimnis gibt.
Für mich ist es nicht einfach, darüber zu sprechen. Er HATTE gute Seiten, und von denen soll meine Tochter erfahren.
Ihre Tante wird ihr da helfen können, sie wird Dinge erfahren, die ich so nicht weiß.

Der Vater meiner 2. Tochter, Mikel, hat mir in der Zeit nach der Trennung enorm geholfen.
Er ist ein so ruhiger, ausgeglichener Mensch, mit soviel Geduld und Liebe zu beiden Mädchen. 
IMMER hat er beiden Mädchen die gleichen Liebe gegeben.
Wir hatten Jahre zuvor eine längere Beziehung und als wir uns dann das erste Mal wiedersahen, war ich schon Mama.
Wie er da am Bett meiner schlafenden Tochter stand, sowas von selbstvergessend und meine Tochter bestaunend, ...ich werd das nie vergessen.
Unsere Trennung hat ihn damals sehr verletzt, mir tut das leid.
Er ist ein wirklich guter Mensch, Vater...wir waren nur zu unterschiedlich, es ging nicht.

Wer jetzt ein bisschen überlegt, merkt, dass ich ein "besonderes" Leben hatte ;-))
Mit meinem Erich  bin ich jetzt bald 16 Jahre zusammen, ich mußte den Richtigen, den Einzigen finden.
Die Dinge haben sich "in einander gefügt", die Erfahrungen von Früher haben mich zu dem Menschen, der Frau, der Mutter gemacht, die ich heute bin.

Na, das ist ja mal ein Offenbarungs-Post!!!!
Aber es mußte sein.
Ich hab da viel überlegt, ob ich das so schreiben kann, und auch meine Sarah gefragt, ob das so in Ordnung ist.
SO habe ich das noch nie aus mir raus lassen können, und während ich schreibe, merke ich die Dringlichkeit dieser Worte.
Vielleicht lassen jetzt meine Kopfschmerzen nach. :-)))

Kommentare:

Hans hat gesagt…

Du solltest wirklich langsam mal etwas tun!! In Bezug auf deine Kopfschmerzen. Ich könnte mir denken, sie haben mehr eine seelische Ursache als eine körperliche. Und wenn es dir schon hier ein Bedürfnis ist, sich einiges von der Seele zu reden, dann spricht es doch für sich. Ich finde es immer wieder komisch... ein defektes Auto geben wir zum Fachmann - uns selbst nicht zu einem?! Einen für die Seele. Schon mal dran gedacht oder probiert?

jonathan und seine familie hat gesagt…

Lieber Hans!
Dieser Blog ist meine "Couch". :-)
Gedachtes findet seinen Weg nach aussen, nicht alles, aber je mehr Vertrauen ich in dieses "Medium" fasse, umso mehr bekommen die Dinge ihren ihnen zustehenden Stellenwert, werden ausgesprochen.
Es ist ein Prozess in dem ich mich wohlfühle, in Sinne von loslassen können, aussprechen können.
Dafür ist dieser Blog auch gedacht. Als Ventil. Um Gedanken ein Kleid anzuziehen.
Auf die Frage."Wie geht es Dir?" ist im täglichen Miteinander nicht immer leicht eine ehrliche Antwort zu geben, nicht einmal sich selbst.
Hier geht das.
Umarmung
Barbara

Niklas hat gesagt…

Liebe Barbara,
ich denke mal, dass es sicher notwendig war, dass es ausgesprochen wurde (unter euch) - vor allem für deine Sarah. Mit offenen Karten zu spielen, ist immer der bessere Weg. Auch wenns zuerst zu verwirrung führt.
Jeder hat in seinem Leben Hochs und Tiefs. Man trifft auf die verschiedensten Menschen, man wächst und merkt, dass man sich verändert. Das gehört zum Leben. Natürlich prägt es und macht einem zu dem, der man dann ist - und auch das ist dann wieder nur eine Momentaufnahme. Das ist ja das spannende am Leben ;)
Du bist eine sehr sympathische Frau und Mama - so aus der Ferne gesagt (wobei so fern bist dann doch nicht ;). Keiner ist unfehlbar.
Siehts positiv: Sarah hat Gewissheit. Du hast eine alte Freundin wiedergefunden und sortiert Dinge aus der Vergangenheit.
Ein herzlich gemeinter Rat: mach einmal was einen Abend lang nur für DICH!
ganz,ganz liebe Grüsse
Tanja

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Ja, die Vergangenheit. Manchmal ist es das Beste, wenn es offen und klar ausgesprochen/geschrieben wird.
Du hast Dir aber auch gar nie leichte "Gschichten" rausgesucht....
...doch immerwieder spürt man bei Dir, dass die Kinder das ganz Wichtigste für Dich sind.
....aber vergiss trotzdem nicht, auch auf Dich zu schauen. Hast Du eigentlich irgendwas, das Du nur für Dich ganz allein machst?
So, und meine Blogger-Lesezeit ist nun erstmal beendet. Robert war mit einem Bauern auf dem Feld und im Stall....ich kann ihn schon riechen....
Ab in die Wanne mit ihm und ein schönes Wochenende für Euch wünscht
Elisabeth

Jenny hat gesagt…

erstmal muss ich dich knuddeln

ich sag immer die vergangenheit holt einen immer wieder ein egal ob schöne oder wenigerschöne sachen

aber es muss reinfach raus und das ist gut so...

einen wunderschönen abend

lg jenny

Bewusst.Sein hat gesagt…

Dieser Blog ist meine "Couch". :-)
= )))


Einen Knutscher dafür, liebe Barbara. Hab herzlich gelacht.
Machen wir uns nicht einfach viel zu viele Sorgen ... Gedanken?
Wem müssen wir «gerecht» werden?


Drück Dich lieb.
MonikaMaria

Katharina hat gesagt…

Hallo du!

Das ist ein überraschender- aber sehr guter Post! Danke für das Vertrauen kann ich da nur sagen.
Sicher aber auch schwer das alles wieder neu zu verarebeiten, bsiher hast du es ja mehr mit dir ausgemacht und nun muss es für deine Tochter rund werden. Aber ihr seid ein gutes Team, wie man immer rausliest- schön, dass nun alles offen ist.

Du bist ne Karline...tu was gegen deine Kopfschmerzen ;-)

liebe Grüße

Bernhard Albrecht hat gesagt…

@ Barbara

Bin gerade auf diesen Blog aufmerksam geworden und dabei auf Ihren Offenbarungs-Post gestossen. Da ich selber Vater einer nicht leiblichen Tochter bin und von daher vertraut mit dem, wie sage ich es meinem Kinde wer sein leiblicher Vater ist, kann ich mich, wie ich glaube, ganz gut in Ihre Situation hinein fühlen.
Wenn die Mitteillung vom Selbstmord eines Menschen an mich herangetragen wird und wenn dieser Mensch in meinem Leben darüber hinaus noch schmerzliche Spuren hinterlassen hat, dürfen mir da nicht die Worte fehlen, zumal einem Kinde gegenüber?
Tragen wir nicht alle die eine oder andere Lebensbaustelle mit uns herum? Und das so lange, bis in uns die Worte reifen, die uns Worte der Versöhnung zu uns und anderen betroffenen Menschen finden lassen. Welche weltliche Instanz hat hier ein Recht uns der Lüge zu zeihen, wenn uns in einem bestimmten Lebensaugenblick einfach die Worte fehlen, mit der wir diese Situation auflösen können? Welche Überraum zeitliche Geistigkeit nimmt, genauer betrachtet, für sich in Anspruch hier ein Wort mitreden zu dürfen?
Ist es nicht mehr als an der Zeit sich von derartigen moralisierenden Lasso Schlingen zu befreien?
Wir sind Niemandem gegenüber in irgendeiner Weise verantwortlich, als ausschliesslich uns selber gegenüber und unserem Werden. Und wenn uns in einem Lebensaugenblick die Worte fehlen, weil sie noch nicht innerlich reif sind, dann ist das doch in Ordnung.
Im äusseren Leben wird über eine Baustelle mitunter eine Behelfsbrücke für Fussgänger gebaut. Sollte das für die Welt der Seele nicht auch möglich und erlaubt sein?
Sie haben sich mit der Art Ihres Sagens an Ihre Tochter eine solche Behelfsbrücke gebaut. Und jetzt, Jahre danach, da neue Worte für diese Situation in Ihnen heran gereift sind und darüber hinaus andere Menschen helfend mitwirken, bauen Sie diese Baustelle von einst durch neue Worte zurück. Ist das nicht wunderbar, was das Leben einem so alles schenken kann?!
Es würde mich doch sehr wundern, wenn Ihre Tochter nicht mit Achtung auf Ihre Mutter hinschaute, die mit einer derartig mutigen inneren Aufgerichtetheit Ihr Leben meistert.
Barbara, wird jetzt Ihr Kopf freier?!
Ich grüsse Sie,

Bernhard Albrecht

jonathan und seine familie hat gesagt…

Lieber Bernhard Albrecht!

Gerade in den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass es "gut und richtig" war so zu handeln.
Meine Sarah hat ganz viel Information über ihren Vater eingeholt, hat sich an den schönen Erinnerungen ihrer Tante erfreuen dürfen, hat ihren Vater von einer Seite kennenlernen dürfen, die ich nicht in diesem Ausmass kennengelernt habe.

Sie hat auch eine weiter Tochter ihres leiblichen Vaters kennen gelernt und das Mädchen ist ganz anders als sie selbst groß geworden.
Kein wirkliches Daheim.

Ein zerrissener, noch so junger Mensch.
Meine Sarah ist sich bewußt, dass sie "sein" durfte.
Geliebt und beschützt.
Es ist so wahr, mir fehlen die Worte für "Damals", wie offenbare ich mich, ohne sie zu verletzen?

Alles ist noch frisch, für meine Tochter sicher eine gedankenschwere Zeit.
Ich denke, sie nimmt sich die Zeit dafür und danke ihr für jedes Gespräch, das sie mit mir sucht.

Danke sehr für Ihren Kommentar!
Das Leben geht schon seltsame Wege :-)

Liebe Grüße
Barbara

Bernhard Albrecht hat gesagt…

Liebe Barbara

Anders als bei Ihnen haben meine Lebenspartnerin und ich unserer Tochter von klein auf in Form einer Geschichte immer wieder erzählen können, wie es dazu kam, dass sie zwei Väter hat. Sie lebte mit dieser Geschichte und mit der Rolle, die sie darin spielte.
Ihr leiblicher Vater hat sie ein einziges Mal, im Alter von zwei Jahren gesehen. Danach verschwand er unauffindbar von der Bildfläche im Ausland.
Verschiedene Versuche meinerseits ihn ausfindig zu machen scheiterten an der falschen Loyalität eines alten Freundes von ihm und an den Datenschutzbestimmungen einer ausländischen Botschaft.
Aber wie das Leben so spielt! Vor etwa zwei Jahren setzte unsere Tochter kurzerhand mit den wenigen Angaben, die ihr zu ihrem leiblichen Vater zur Verfügung standen, in ein offenes Internetforum seines Geburtslandes die Frage, ob Ihn jemand kenne oder ihr hilfreiche Vorschläge zum Auffinden seiner Person machen könne.
Und auf Grund ihrer Angaben erkannte ihn eine Frau und vermittelte den Kontakt. Sie haben sich darauf hin einige Zeit per Mail gegenseitig geschrieben, bis der Kontakt erneut abbrach.
Unsere Tochter ficht das, selbstbewusst wie sie ist, aber nicht weiter an. Ihre Neugierde ist gestillt. Sie hat sich einen hinreichend eigenen Eindruck von dem Menschen machen können, der ihr leiblicher Vater ist. Ob er einmal in die Schweiz kommen und sie besuchen wird, wie er gesagt hat, damit verbindet sie keine besondere Erwartung.
Was wir unseren Kindern mitgeben können, das ist innere Stärke, die Bereitschaft am eigenen Kern zu arbeiten und sich weiter zu entwickeln. Das aber haben Sie und Ihr Lebenspartner Ihrer Tochter, wie ich erspüre, durch eine behütete Kindheit mit auf den Weg gegeben. Vertrauen Sie also auf diese innere Stärke Ihrer Tochter.

Liebe Grüsse,

Bernhard Albrecht