Mittwoch, 14. September 2011

Vieles

Mir passiert das oft.
Ich spreche, schreibe mir etwas von der Seele, worüber ich tagelang nachgedacht habe,  und schon wendet sich das Blatt.
Im Guten wie im Schlechten :-)
So auch heute.

Jonathan war im KG viel freier, viel selbstständiger als noch Montags.
Er war sogar allein mit seinem "besten Freund" unterwegs.







Wir haben Jonathan ein Fotobuch gemacht.
Jedes Foto hat eine Zahl, wenn man die drückt, hört man den dazu gehörigen Text, der zuvor aufgenommen wurde.




Bei Jonathans Vorstellung muss man genau hinhören.


 

Konstantino, sein erster "bester Freund" hat sie für den "Morgenkreis" gesprochen. Da stellen sich die Kinder, nach einem Lied, vor.

Ich kann euch das nicht zeigen, aber der Bursche hat sich auch schon sein eigens Foto "besprochen", heute war ich es ausdrucken und morgen gehört es zu dem Album. :-)
Und so wird es wachsen.
Als wir, unsere Frühförderin und ich, mit dieser Idee ankamen, war die Reaktion ganz besonders schön.
Ob es ok wäre, wenn sie auch Fotos von den Erlebnissen in KG machen und diese dann "besprechen".
Oh ja, das ist mehr als ok!

Ich fühl uns gut aufgehoben.


Heute war ich meine Oma besuchen.
Sie will nach Hause!
Kann man sich das vorstellen?
Wenn man an einem Ort sein MUSS.
Ständig vergisst, warum das so ist.
Auch die Stationsleiterin hat mir erzählt, dass Oma oft fragt, was sie hier eigentlich mache.
Das ist die eigentlich schwierige Frage, die sie stellt.
Nicht das "Wo bin ich?" sondern das "Warum bin ich hier?"
Wenn ich ihr dann sage, dass sie eine alte Dame geworden ist und Unterstützung braucht, dann nickt sie und ich hab den Eindruck, dass sie sich ihrer Desorientierung, Hilflosigkeit durchaus bewusst ist.

Ich stell mir das schrecklich vor.
Weil man eben nicht "eh alles vergessen" hat.
In "seliger Gleichgültigkeit" dahin schwebt.
Ich hör das manchmal, wenn ich von der Demenzerkrankung meiner Grossmutter erzähle.
"Die kriegen eh nichts mehr mit, das wünsch ich mir!"
Dumme Menschen.
Ja, das Leben an sich klärt des Menschen Bewusst-sein.

So, ihr Lieben.
Auf den ganzen Tag verteil hab ich an diesem Post geschrieben.
Schön wars mit euch.

Kommentare:

Niklas hat gesagt…

Ach, jetzt habe ich meinen Post versehentlich wieder gelöscht....
ich bin froh, dass es schon besser ist und bin mir ganz sicher, dass Jonathan immer sicherer wird. Wenn die Umgebung, die Betreuer und die Kinder ihm nicht mehr fremd sind. Ihr habt ja noch Zeit. Nur nicht ungeduldig werden!!
Am Wochenende besuche ich auch wieder meine Oma. sie will nicht mehr nach Hause - hat schon resigniert.... oder besser gesagt, ihre Situation akzeptiert. Muss sehr schwer sein. Auch wenn sie viel vergisst, sie ist sich ihrer Lage gut bewusst.
Wenn ich alleine fahre fragt sie wo ich meinen "buben" gelassen hab. Nehm ich Niklas mit, ist ihr oft zu viel Wirbel.
Ich sollte viel öfters hin - aber sich schaff es nicht.
Ich denk morgen wieder an Jonathan und wünsche ihm einen super schönen Tag im KG.
lg Tanja

FK hat gesagt…

Das liest sich gut und frisch - als wenn langsam etwas Neues wächst.
Dazu fällt mir ein: "Der Mensch, der blüht, ist der Mensch, der ist, nicht der Mensch, der wird."
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit

♥ Grüße Fredi

dicke, alte Frau hat gesagt…

Ach meine liebe Barbara, auch meine liebe Oma war dement,am Ende erkannte sie meine Mama nicht mehr, und auch uns hatte sie "vergessen". Das tat so weh, besonders schlimm war es für meine Mama. Wir haben ihr zwar auch immer alles erzählt, was so los war in der Familie, aber wir sind uns nicht sicher, ob alles "angekommen" war. Am traurigsten finde ich, daß ein durchaus aktives Familienmitglied plötzlich so "wegtritt" und auch von einigen Familienmitgliedern vergessen oder ignoriert wurde, nach dem Motto: "Ob wir da waren oder nicht, weiß sie ja später doch nicht mehr". Aber Ihr macht es gut, Ihr besucht sie und liebt sie weiter, so, wie sie nun eben ist. Danke dafür!
Jonathans Entwicklung finde ich toll. Seit Montag geht mein Julian auch in den Waldkindergarten und fühlt sich sehr wohl.
Ganz herzliche Grüße, die Christiane